Vom Ski- und Schlittenfahren daheim in unserem Neuhaus

Unser Ort lag fast 900m hoch, wir hatten einen langen, strengen Winter. Es gab viel Schnee, und so waren wir Buben und auch Mädchen mehr oder weniger gute Skifahrer. Schon vor der Haustüre konnte man die Bretter anschnallen und hinunterfahren.

Meistens fuhr man am "Alosiberg", einem kurzen, steilen Hang, auf dem auch ein "Sprunghügel" gebaut wurde und gar mancher ungeübte rutschte da anfangs zuerst auf dem Hosenboden hinunter. Eine lange Abfahrt war vom "Mühlacker" angefangen bis hinab zur Straße, wo man aber kräftig anschieben musste, wenn der Schnee nicht so gut war. Auch vom "Pauschhaus" an hinab ins Tal war ein guter Skiplatz. Hier hatten schon Wintersportler aus Sachsen, die damals bei uns einquartiert waren, ihre eigene kleine Slalomstrecke abgesteckt.

Die schwierigste Abfahrt war am "Kannerseffen-Berg". Dort wurde der große Sprunghügel gebaut und die Verwegensten übten sich gar fleißig im Weitsprung. Im Tal musste man dann gut abbremsen, um nicht im Rohlaubach zu landen. Manchmal war der Bach zugefroren und mit Schnee bedeckt, so dass man darüber und an der anderen Seite wieder hochfahren konnte.

Herrlich war auch eine Waldwanderung in einer hellen Vollmondnacht. Der Schnee und die verschneiten Fichten glitzerten nur so. Da merkte man im Wald eine Stille und in den Ohren ein ganz leises Klingen. Ans einem solchen Abend fuhren wir Buben einmal mit Skiern über den Feuerholzweg zur Wildfütterung ins "Saifenloch" im sogenannten 3. Wald. Die Hirsche bei der Futterstelle standen dort bis zum Bauch im tiefen Neuschnee, wir hätten auf unseren Skiern stehend die verängstigten Tiere dabei anfassen können. Weil nun der Waldheger am anderen Tage unsere Spuren bis zu den Häusern verfolgte, erhielten wir in der Schule eine richtige Strafpredigt, mit der Auflage, dieses ja nicht mehr zu tun.

Die Kinder rodelten meistens am Wohnerberg, wo dann die Fahrt über die Straße und noch übers Christofbergle hinunterging. Man musste dabei Schon gut aufpassen, dass kein Auto kam, weil die Sicht auf die Straße durch das Schulgebäude verdeckt war.

Wenn man einmal "ubnwag" gehen konnte, das heißt, wenn der Schnee sich gesetzt hatte und so fest gefroren war, dass man beim Gehen nicht einbrach, kam es vor ,dass auch Männer einen großen Ziehschlitten aus dem Schuppen holten und mit diesem den langen Wiesenhang vom Schwabhaus ab bis zum Wolfergasthaus hinunter fuhren.

So war der Winter doch eine schöne Zeit bei uns und wenn ich hier in der neuen Heimat mit alten Kollegen zusammenkomme, dann muss ich diesen beipflichten, wenn sie sagen: "Wir haben uns hier ja ganz gut eingelebt, bloß so richtig Skifahren können wir halt nimmer".


Ernst Ullmann